Berlin‑Geschichte

In Berlin verbinden sich eindrucksvoll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Im Herbst 2012 feiert Berlin seinen 775. Geburtstag. Nachdem 1937 die Nationalsozialisten den 700. Geburtstag von Berlin propagandistisch für sich missbrauchten, der 750. Geburtstag von Ost- und West-Berlin an verschiedenen Tagen begangen wurde, wird nun der 775. Geburtstag als großes Fest gefeiert. Nach den Aufsehen erregenden Ausgrabungen in Berlin-Mitte könnte Berlin allerdings auch älter sein.

1933 – 1945

Die Zeit ab 1933 kann man in Berlin mit seinen vielen Museen und Gedenkstätten gut nachvollziehen. Kurz nach der Machtübernahme der Nazi wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 der Reichstag in Brand gesetzt. Seit 1994 tritt hier die Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammen, seit 1999 ist das Reichstagsgebäude der Sitz des Deutschen Bundestages.

An die Widerstandskämpfer des Attentats vom 20. Juli 1944 gegen das Naziregime wird im Bendlerblock am heutigen Reichpietschufer erinnert. Das Attentat scheiterte, die beteiligten Offiziere wurden in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Bendlerblock erschossen. Heute befinden sich hier der zweite Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands wurde am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg beendet und Deutschland und Berlin in vier Besatzungszonen (für die jeweiligen Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und Russland) eingeteilt.

Teilung Deutschlands und Berliner Mauer

Die unterschiedlichen Lebensverhältnisse zwischen den West- und Ostsektoren führten dazu, dass immer mehr Menschen nach West-Berlin flüchteten. Ausgelöst wurde dies auch durch die Währungsreform (20. Juni 1948) in den Westsektoren. Als Reaktion wurde die Versorgung West-Berlins auf dem Landweg von der Sowjetunion mit der Berlin-Blockade unterbunden. Vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 war die Versorgung West-Berlins nur noch über die Luft möglich, daran erinnert noch heute das Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke.

Mit Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961 wollten die Machthaber des Ostblocks die „Republikflüchtlinge“ stoppen. Menschen, die es trotzdem versuchten, mussten bei Entdeckung mit ihrem Tod rechnen. Die Arbeitsgemeinschaft 13. August geht von 245 Maueropfern und 38 natürlichen Sterbefällen aus. Das Museum am Checkpoint Charlie zeigt aber auch, dass die Flucht trotzdem möglich war. Am 26. Juni 1963 solidarisierte sich John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg mit seinem Satz „Ich bin ein Berliner“ mit den Einwohnern der Stadt.

Ausgelöst durch die Fluchtbewegungen über die Ostblockstaaten und die Massendemonstrationen in der DDR fiel am 8. November 1989 die Mauer und führte am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung. Im Berliner Stadtgebiet sind nach dem Mauerfall fast alle Mauerreste entfernt worden, der Verlauf ist heute nur noch an den doppelreihigen Plastersteinen zu erkennen. In der Mühlenstraße in Friedrichshain existiert noch die Hinterlandmauer, die 1990 von Künstlern zur East Side Gallery umgestaltet wurde. In der Gedenkstätte Berliner Mauer ist ein 60 m langes Reststück der Grenzanlage zu besichtigen.

Zu den berühmten Sätzen zum Mauerfall gehören zweifelsohne Walter Mompers (damals Regierender Bürgermeister von Berlin) „Berlin, nun freue dich“ und Willy Brandts „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“.

1990: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“

Das Zusammenwachsen konnte man in Berlin am besten am Potsdamer Platz beobachten. Nach dem Mauerfall war hier eine große Brache, auf der sich der „Polenmarkt“ angesiedelt hat. Heute stehen auf dem Areal u.a die Potsdamer Platz Arkaden.

Am 1 Juli 1990 trat die Währungsunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft, die (ostdeutsche) Mark wurde in die (westdeutsche) DM umgetauscht.

Eine große Herausforderung war, den Verkehr in Berlin wieder durchgängig befahrbar zu machen, da durch den Mauerbau viele Straßen unterbrochen waren. Auch die U- und S-Bahnhöfe und deren Gleise mussten saniert bzw. erneuert werden.

Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag, seinen Sitz von Bonn nach Berlin zu verlegen und dass Berlin die neue Bundeshauptstadt wird. Seit 2001 hat der amtierende Bundeskanzler seinen Sitz im neugebauten Bundeskanzleramt, von den Berlinern spöttisch „Bundeswaschmaschine“ genannt. Die meisten Bundesministerien haben ihren ersten Dienstsitz nach Berlin verlegt, die Ministerien die ihren Hauptsitz in Bonn behalten haben, haben in Berlin jedoch einen zweiten Dienstsitz.

Am 2. Dezember 1990 fanden Gesamt-Berliner Abgeordnetenhauswahlen statt, 1991 haben der Regierende Bürgermeister und der Senat von Berlin ihren Sitz vom Schöneberger Rathaus zum Roten Rathaus verlegt.

Stand: Mai 2012