Deutsche Waldtage 2026 im Berliner Hauptstadtwald

Luftaufnahme einer Straße durch dichtes Grün mit Berliner Skyline im Hintergrund
Foto von Ro Berto auf Pexels

Vom 18. bis 20. September 2026 laden die Berliner Forsten gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen zu den Deutschen Waldtagen ein. Insgesamt 25 Veranstaltungen in den Berliner Waldgebieten sollen zeigen, welche ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben der Wald erfüllt. Das Programm reicht von fachlich begleiteten Radtouren und Pilzwanderungen bis zu Workshops über Brennholz, Naturresilienz und Instrumentenbau. Familien können unter anderem Feste, eine Märchenstunde und Angebote am Lehrkabinett am Teufelssee besuchen.

Wald und Wirtschaft als bundesweites Motto

Die Deutschen Waldtage stehen 2026 unter dem Motto „Wald und Wirtschaft“. Damit rückt eine Funktion in den Vordergrund, die beim Spaziergang leicht aus dem Blick gerät: Wälder sind nicht nur Natur- und Erholungsräume, sondern auch Teil einer regionalen Wertschöpfungskette. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und wird unter anderem als Bau-, Werk- und Brennmaterial verwendet.

Gerade in einer Großstadt treffen dabei unterschiedliche Interessen aufeinander. Der Wald soll Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein, Wasser speichern, das Stadtklima unterstützen und den Menschen Raum für Bewegung und Erholung bieten. Zugleich muss er gepflegt, an veränderte klimatische Bedingungen angepasst und teilweise wirtschaftlich genutzt werden. Die Veranstaltungen bieten die Gelegenheit, diese Zusammenhänge vor Ort kennenzulernen und mögliche Zielkonflikte nicht nur abstrakt, sondern an konkreten Beispielen zu betrachten.

Der Begriff Waldwirtschaft steht dabei nicht allein für die Entnahme von Holz. Er umfasst auch langfristige Pflege, Verjüngung und Umbau von Waldbeständen. Eine nachhaltige Nutzung setzt voraus, dass ökologische Belastungsgrenzen beachtet und die vielfältigen Funktionen des Waldes erhalten werden. Wie dies in Berlin umgesetzt wird, können Besucher bei mehreren Terminen mit Forstleuten diskutieren.

Waldumbau und Artenvielfalt auf zwei Rädern

Ein Programmpunkt verbindet Bewegung mit forstlichem Fachwissen: Bei einer Radtour mit einem Förster geht es um Waldumbau und Biodiversität. Der Waldumbau gewinnt angesichts von Hitze, Trockenheit, Stürmen und Schädlingsbefall an Bedeutung. Dabei sollen anfällige Bestände langfristig zu vielfältigeren und widerstandsfähigeren Wäldern entwickelt werden.

Für Berlin ist das ein langfristiges Thema. Forstliche Entscheidungen wirken über Jahrzehnte, weil Bäume langsam wachsen und sich die Zusammensetzung eines Waldes nur schrittweise verändert. Welche Baumarten an einem Standort bestehen können, hängt unter anderem von Boden, Wasserversorgung, Licht und klimatischen Bedingungen ab. Zugleich müssen die Lebensräume bereits vorhandener Tier- und Pflanzenarten berücksichtigt werden.

Eine geführte Tour kann diese Prozesse sichtbar machen: Unterschiedliche Altersstufen, lichte Bereiche, Totholz oder junge Bäume sind Teile eines dynamischen Waldökosystems. Was für Laien zunächst ungeordnet aussehen kann, hat mitunter eine wichtige ökologische Funktion.

Den Klimawandel im Grunewald nachvollziehen

Im Grunewald führt ein Förster über den Waldklimapfad. Dort können Interessierte erfahren, wie Wald und Klima zusammenhängen und welche Veränderungen bereits heute eine Rolle spielen. Wälder binden Kohlenstoff, beeinflussen Temperatur und Luftfeuchtigkeit und tragen zur Speicherung von Wasser bei. Gleichzeitig leiden sie selbst unter längeren Trockenperioden und hohen Temperaturen.

Für die Stadtbevölkerung ist diese doppelte Rolle besonders relevant. Waldgebiete dienen während sommerlicher Hitze als vergleichsweise kühle Aufenthaltsorte. Ihre Böden nehmen Niederschläge auf und geben Wasser zeitversetzt weiter. Damit gehören sie zur natürlichen Infrastruktur Berlins – ähnlich wie Parks, Gewässer und andere unversiegelte Flächen.

Ein weiterer Termin im Grunewald widmet sich der Naturresilienz. In dem Workshop steht die Frage im Mittelpunkt, warum Aufenthalte im Wald vielen Menschen guttun. Ruhe, Bewegung und Naturwahrnehmung können einen Gegenpol zu Lärm, Verkehr und dichter Bebauung bilden. Das Angebot verbindet damit Umweltbildung und Gesundheitsvorsorge, ohne den Wald auf eine einzelne Funktion zu reduzieren.

Holz zwischen Handwerk und Kultur

Mehrere Veranstaltungen befassen sich mit Holz als Werkstoff. Bei einem Praxisworkshop können Teilnehmende lernen, wie Brennholz sicher und ergonomisch bearbeitet wird. Das Angebot vermittelt damit nicht nur handwerkliche Grundlagen, sondern lenkt den Blick auch auf Arbeitsschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Geräten und Material.

Im Revier Stolpe wird die Geschichte von Wald und Wirtschaft anhand von Harz, Ton und Holz behandelt. Diese Rohstoffe zeigen, wie eng Landschaft, Handwerk und regionale Wirtschaft über lange Zeit miteinander verbunden waren. Wälder lieferten nicht nur Bau- und Brennmaterial, sondern waren Grundlage verschiedener Gewerbe und Herstellungsverfahren.

Eine kulturelle Perspektive eröffnet die Begegnung mit einem Gitarrenbaumeister. Dabei geht es um das „klingende Leben der Bäume“ und um die Eigenschaften, die Holz für den Instrumentenbau interessant machen. Auswahl, Trocknung und Verarbeitung beeinflussen Stabilität und Klang eines Instruments. Der Programmpunkt macht anschaulich, dass Holz je nach Baumart, Wuchs und Bearbeitung sehr unterschiedliche Qualitäten besitzt.

Pilze, Wildkräuter und Fledermäuse entdecken

Neben forstlichen und wirtschaftlichen Fragen steht die natürliche Vielfalt der Berliner Wälder im Mittelpunkt. Pilzwanderungen führen in eine Organismengruppe ein, die für das Ökosystem unverzichtbar ist. Pilze zersetzen organisches Material und stehen teilweise in enger Verbindung mit Baumwurzeln. Sichtbar sind häufig nur ihre Fruchtkörper, während sich der größere Teil des Pilzes als Geflecht im Boden oder im Holz befindet.

Bei einer Wildkräuterwanderung geht es um Pflanzen, die am Waldboden, an Wegen oder auf Lichtungen wachsen. Geführte Formate können dabei helfen, Arten sicherer zu erkennen und ihre Rolle im jeweiligen Lebensraum zu verstehen. Zugleich bieten sie einen geeigneten Rahmen, um auf Regeln zum Sammeln und auf den Schutz empfindlicher Bestände hinzuweisen.

Eine abendliche Fledermausführung erschließt den Wald aus einer weiteren Perspektive. Fledermäuse werden vor allem in der Dämmerung aktiv und bleiben vielen Spaziergängern deshalb verborgen. Alte Bäume, Baumhöhlen, Waldränder und insektenreiche Bereiche können ihnen Quartiere und Nahrung bieten. Die Führung zeigt, wie stark der Schutz einzelner Arten mit dem Erhalt geeigneter Strukturen im Wald verbunden ist.

Angebote für Familien in Gatow und Köpenick

Auch Familien und jüngere Besucher sollen einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Wald erhalten. Geplant sind unter anderem ein Waldfest in Gatow und ein Herbstfest in Grünau. Eine Märchenstunde im Grunewald verbindet Naturerlebnis mit Erzählkultur.

Am Lehrkabinett am Teufelssee in Köpenick stehen ebenfalls familiengerechte Angebote auf dem Programm. Solche Lernorte können ökologische Zusammenhänge anschaulich vermitteln und dazu beitragen, dass Kinder den Wald nicht nur als Freizeitfläche, sondern als schützenswerten Lebensraum kennenlernen.

Die Mischung aus Festen, Führungen und praktischen Workshops spricht unterschiedliche Altersgruppen und Interessen an. Das ist für Umweltbildung bedeutsam, weil Wissen über den Wald nicht ausschließlich über Fachvorträge vermittelt werden muss. Eigene Beobachtungen und praktische Erfahrungen können einen unmittelbaren Zugang schaffen.

Warum die Waldtage für Berlin wichtig sind

Die Berliner Waldgebiete gehören zu den zentralen Erholungsräumen der Hauptstadt. Sie werden zum Spazierengehen, Radfahren, Joggen und für Naturbeobachtungen genutzt. Gleichzeitig übernehmen sie Aufgaben, die im Alltag kaum sichtbar sind: Sie bieten Lebensräume, speichern Wasser, schützen Böden und beeinflussen das lokale Klima.

Mit der wachsenden Stadt steigt der Nutzungsdruck. Viele Menschen suchen Erholung, während sensible Lebensräume Ruhe benötigen. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels und die Aufgabe, Wälder langfristig widerstandsfähiger zu entwickeln. Auch die Gewinnung des Rohstoffs Holz muss mit Natur-, Klima- und Erholungsfunktionen vereinbart werden.

Die Deutschen Waldtage können dazu beitragen, diese Zusammenhänge verständlicher zu machen. Der direkte Austausch mit Forstleuten und weiteren Fachleuten ermöglicht Einblicke in Entscheidungen, deren Folgen häufig erst Jahre später sichtbar werden. Für Berlinerinnen und Berliner ist das auch eine Gelegenheit, die bewaldeten Teile ihrer Stadt bewusster wahrzunehmen und das eigene Verhalten dort zu hinterfragen.

Programm und Anmeldung

Die 25 Veranstaltungen finden von Freitag, 18. September, bis Sonntag, 20. September 2026, in den Berliner Waldgebieten statt. Da sich Zielgruppen, Veranstaltungsorte und Teilnahmebedingungen unterscheiden können, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick in das vollständige Programm.

Alle Termine sowie Angaben zu Treffpunkten und einer gegebenenfalls erforderlichen Anmeldung stellen die Berliner Forsten auf ihrer Internetseite im Bereich „Walderlebnis und Veranstaltungen“ bereit. Dort sind auch kurzfristige Hinweise zu den einzelnen Angeboten zu finden.