Berlin braucht eine neue Story
Berlin erzählt gern große Geschichten: über die Stadt als Kulturmetropole, über die Start-up-Hauptstadt oder von Berlin als Inno-Lab und Ideen-Inkubator. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oft eine Lücke – und die beginnt nicht bei fehlenden Visionen, sondern bei fehlender Umsetzung.
Denn die Geschichte, die viele Betriebe heute erleben, ist eine andere: Anträge wandern von Schreibtisch zu Schreibtisch. Genehmigungen dauern Monate. Zuständigkeiten sind unklar, Verfahren kompliziert und digitale Prozesse häufig noch Stückwerk.
Wer etwas bauen, investieren oder einen Betrieb erweitern möchte, braucht nicht selten vor allem eines: Geduld. Dabei ist Zeit längst ein wichtiger Wettbewerbsfaktor geworden. Jeder Tag, an dem eine Genehmigung auf sich warten lässt, kostet Geld. Jeder zusätzliche Nachweis bindet Personal.
Hier sollte die Verwaltung von Anfang an die Bedarfe konsequent am Alltag kleiner und mittelgroßer Betriebe ausrichten. Daher wäre ein verbindlicher KMU-Check bei allen relevanten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen sinnvoll.
Eine Geschichte vom Raum für das Machen
Berlin braucht deshalb nicht nur schnellere Prozesse. Berlin braucht eine neue Story.
Eine Geschichte, in der Verwaltung nicht als Hürde verstanden wird. In der das Vertrauen in Unternehmerinnen und Unternehmer größer ist als das Misstrauen. Und in der es nicht nur darum geht, was in den Stadtzentren passiert, sondern auch darum, was in den Kiezen entsteht.
Die Berliner Mischung – das Nebeneinander von Wohnen, Handwerk und Gewerbe – bedeutet kurze Wege, verlässliche Nahversorgung und starke lokale Strukturen. Die neue Berliner Story muss deshalb auch eine Geschichte vom Raum für das Machen sein.
Digitalisierung muss Verfahren einfacher machen
Digitalisierung muss bedeuten, Verfahren einfacher zu machen, und nicht lediglich Papierformulare auf einen Bildschirm zu verlagern. Anträge müssen standardisiert und übersichtlich gestaltet sein, sodass sie im laufenden Betrieb realistisch zu bewältigen sind.
Doppelstrukturen müssen eliminiert, Verfahren beschleunigt und das Once-only-Prinzip konsequent umgesetzt werden.
Gerade das Handwerk könnte davon enorm profitieren. Es bildet junge Menschen aus, sorgt für funktionierende Infrastruktur, treibt die Energiewende voran und hält diese Stadt Tag für Tag am Laufen. Wer diese Leistung will, muss den Betrieben den Rücken freihalten – nicht zusätzliche Lasten aufbürden.
Weniger Ankündigungen, mehr Ergebnisse
Berlin hat alle Voraussetzungen, wieder eine Stadt des Machens zu sein. Kreative Köpfe, engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer, exzellente Fachkräfte und eine enorme Anziehungskraft. Was häufig fehlt, ist nicht die Idee, sondern der freie Weg dorthin.
Vielleicht sollte sich die Stadt deshalb künftig weniger über ihre Pläne definieren als über Ergebnisse. Weniger über Ankündigungen als über Fertigstellungen. Weniger über den perfekten Prozess als über die gelungene Umsetzung.
Leistungsfähig heißt eben nicht, möglichst viele Formulare auszufüllen, sondern möglichst viele wirksame Verfahren in Gang zu setzen. Hier ist Mut gefragt – Mut, Überflüssiges abzubauen.
Vertrauen entsteht, wenn Dinge funktionieren
Eine Stadt gewinnt Vertrauen, wenn Dinge funktionieren.
Das wäre eine neue Story für Berlin. Und eine, an die auch seine Wirtschaft wieder glauben könnte.
