80 Stipendien stärken Berlins Kunstszene
Berlin bleibt Atelier, Denkraum und Experimentierfeld: Für das Förderjahr 2026 vergibt die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt 80 Recherchestipendien im Bereich Bildende Kunst. Jeweils 8.000 Euro gehen an in Berlin lebende und arbeitende Künstlerinnen, Künstler, künstlerische Gruppen sowie Kuratorinnen und Kuratoren. Insgesamt stellt das Land damit eine Fördersumme von 640.000 Euro für die künstlerische und kuratorische Weiterentwicklung der zeitgenössischen Bildenden Kunst bereit – ein starkes Signal in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten.
Großes Interesse, strenges Auswahlverfahren
Die Nachfrage nach der Förderung war enorm: 1.132 Anträge wurden eingereicht. 577 davon nominierten die unabhängigen Gutachterinnen und Gutachter für das anschließende Losverfahren. Dieses zweistufige Verfahren verbindet fachliche Qualitätssicherung mit Chancengleichheit. Der Jury gehörten ausgewiesene Expertinnen und Experten der zeitgenössischen Kunst an, darunter Maurin Dietrich, Sophie Goltz, Ludwig Seyfarth und Laura Helena Wurth.
Am Ende des Auswahlprozesses stehen 68 geförderte Künstlerinnen und Künstler beziehungsweise künstlerische Gruppen sowie 12 Kuratorinnen und Kuratoren oder kuratorische Zusammenschlüsse. Zu den Stipendiatinnen und Stipendiaten zählen unter anderem Sophia Abderrazak, Kamilla Bischof, Miguel Buenrostro, Ahu Dural, Flora Könemann, Shira Lewis, Hajnal Nemeth, Cornelia Renz, Undine Sommer, Manuela Warstat, Xiaopeng Zhou sowie die Gruppen The New Liquidity und titre provisoire. Im kuratorischen Bereich wurden beispielsweise Nina Backman, BKF – Büro für kuratorische Forschung, Dr. Kathy-Ann Tan und Christof Zwiener ausgewählt.
Freiraum für Recherche statt Produktionsdruck
Das Recherchestipendium ist bewusst nicht an eine konkrete Ausstellung oder ein fertiges Werk gebunden. Es finanziert Zeit: Zeit für Recherche, künstlerische Neuorientierung, konzeptionelle Entwicklung, Reisen oder internationale Vernetzung. Gerade in einer Stadt wie Berlin, in der viele Kunstschaffende projektbasiert und unter hohem ökonomischem Druck arbeiten, bedeutet diese Form der Förderung ein Stück Unabhängigkeit.
8.000 Euro ersetzen kein Jahresgehalt, schaffen jedoch mehrere Monate konzentrierter Arbeit. Für viele ist das die Grundlage, um neue Werkzyklen zu entwickeln, Themen zu vertiefen oder Kooperationen anzubahnen, die später in Ausstellungen, Publikationen oder diskursiven Formaten münden.
Bedeutung für den Kulturstandort Berlin
Berlin gilt international als Hotspot der zeitgenössischen Kunst. Die hohe Zahl von 1.132 Anträgen zeigt jedoch auch, wie groß der Wettbewerb und wie prekär die Einkommenssituation vieler Akteurinnen und Akteure ist. Vor diesem Hintergrund haben die Recherchestipendien nicht nur kulturpolitische, sondern auch stadtentwicklungspolitische Relevanz.
Die geförderten Projekte fließen mittel- und langfristig in die Berliner Museums-, Galerie- und Projektraumlandschaft ein. Sie prägen Ausstellungen in Mitte ebenso wie Interventionen in Außenbezirken, Diskursformate in unabhängigen Kunsträumen oder Kooperationen mit internationalen Institutionen. Damit stärken sie Berlins Ruf als offene, diverse und experimentierfreudige Kunstmetropole.
Zugleich profitieren die Berlinerinnen und Berliner unmittelbar: Neue künstlerische Positionen regen gesellschaftliche Debatten an, eröffnen Perspektivwechsel und spiegeln urbane Realitäten. Gerade in einer wachsenden und sich stetig wandelnden Stadt sind solche Impulse wichtig für den kulturellen Zusammenhalt.
Transparenz und Weiterentwicklung
Für Antragstellende stellt die Senatsverwaltung eine detaillierte Checkliste zur fachlichen Prüfung bereit. Dies unterstreicht den Anspruch, das Verfahren transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Angesichts der hohen Bewerberzahl bleibt die Diskussion um die Höhe und Anzahl der Förderungen dennoch aktuell. Viele Kulturverbände fordern seit Jahren eine Aufstockung der Mittel, um dem tatsächlichen Bedarf in der Stadt gerechter zu werden.
Mit den 80 vergebenen Recherchestipendien setzt Berlin jedoch ein klares Zeichen: Die Investition in künstlerische Forschung und kuratorische Qualität ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Denn wo Kunst entsteht, entsteht auch öffentlicher Dialog – und der ist für eine lebendige Metropole unverzichtbar.
