1.100 neue Lehrkräfte starten in Berlin
Mehr als 1.100 angehende Lehrerinnen und Lehrer haben am 13. August 2026 ihren Vorbereitungsdienst an Berliner Schulen begonnen. Zum ersten Mal lud die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sämtliche neuen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter zu einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung ein. Der Festakt im Estrel Berlin in Neukölln sollte den Eintritt in den Schuldienst sichtbar machen und zugleich die Bedeutung des Lehrerberufs für die Entwicklung der Stadt hervorheben.
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch begrüßte die angehenden Lehrkräfte und verwies auf deren Verantwortung für die Bildungschancen junger Menschen. Lehrerinnen und Lehrer vermittelten nicht nur Wissen, sondern gäben Orientierung und könnten im Schulalltag unmittelbar etwas bewirken. Das Land Berlin wolle die neuen Beschäftigten während ihrer Ausbildung verlässlich begleiten.
Unterschiedliche Wege in den Vorbereitungsdienst
Die Gruppe der neuen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter setzt sich aus mehreren Ausbildungswegen zusammen. Mehr als 790 Personen beginnen den regulären Vorbereitungsdienst. Sie haben in der Regel ein lehramtsbezogenes Studium abgeschlossen und treten nun in die schulpraktische Phase ihrer Ausbildung ein. Dort sollen sie lernen, Unterricht eigenständig zu planen, durchzuführen und auszuwerten.
Mehr als 300 weitere angehende Lehrkräfte absolvieren den Vorbereitungsdienst berufsbegleitend. Sie stehen bereits in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis mit dem Land Berlin und verbinden ihre praktische Tätigkeit an einer Schule mit der pädagogischen und fachdidaktischen Qualifizierung. Dieses Modell ist für Berlin besonders relevant, weil die Stadt seit Jahren darauf angewiesen ist, neben dem klassischen Lehramtsstudium weitere Zugänge zum Schuldienst zu eröffnen.
Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten an Schulen in freier Trägerschaft. Sie nehmen als Gasthörerinnen und Gasthörer am staatlichen Vorbereitungsdienst teil. Damit umfasst der Ausbildungsstart sowohl künftige Lehrkräfte an öffentlichen Schulen als auch Beschäftigte aus dem Bereich der freien Schulen.
Mehr als 650 Ernennungen beim Festakt
Für mehr als 650 der Anwesenden war die Auftaktveranstaltung zugleich mit einem formalen Schritt verbunden. Sie wurden als Beamtinnen und Beamte auf Widerruf vereidigt und erhielten ihre Ernennungsurkunden. Dieser Status gilt während des Vorbereitungsdienstes und ist von einer späteren dauerhaften Übernahme in ein Beamtenverhältnis zu unterscheiden.
Die Ernennung zeigt dennoch, dass die Verbeamtung wieder einen festen Platz in der Berliner Personalpolitik für Schulen einnimmt. Für angehende Lehrkräfte kann der Beamtenstatus ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitsortes sein. Berlin steht bei der Gewinnung von pädagogischem Personal nicht nur mit Brandenburg, sondern auch mit anderen Bundesländern im Wettbewerb. Arbeitsbedingungen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Verlässlichkeit der Beschäftigung beeinflussen deshalb, ob ausgebildete Lehrkräfte dauerhaft in der Hauptstadt bleiben.
Ausbildung in 48 Gruppen
Der Berliner Vorbereitungsdienst wurde modularisiert und soll schulpraktische Erfahrungen mit einer systematischen Qualifizierung verbinden. Die neuen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter werden nach Angaben der Bildungsverwaltung in 48 Gruppen betreut. Qualifizierungskoordinatorinnen und Qualifizierungskoordinatoren begleiten den Ablauf der Ausbildung und sollen die unterschiedlichen Bestandteile miteinander verzahnen.
Rund 750 Fachbegleitungen übernehmen die Ausbildung in den jeweiligen Unterrichtsfächern und Fachrichtungen. Hinzu kommen Qualifizierungslehrkräfte an den einzelnen Schulen. Diese unterstützen die Anwärterinnen und Anwärter unmittelbar im Schulalltag, etwa bei der Unterrichtsvorbereitung, bei pädagogischen Fragestellungen und bei der Reflexion eigener Unterrichtserfahrungen.
Diese Begleitung ist entscheidend, weil der Vorbereitungsdienst mehrere Anforderungen gleichzeitig vereint. Die angehenden Lehrkräfte müssen Unterricht übernehmen, ihre fachlichen und didaktischen Fähigkeiten weiterentwickeln, Leistungsbewertungen vornehmen und lernen, mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen innerhalb einer Klasse umzugehen. Dazu kommen Gespräche mit Eltern, Zusammenarbeit in Kollegien und der Umgang mit organisatorischen Aufgaben.
Was der Ausbildungsstart für Berlin bedeutet
Die Zahl von mehr als 1.100 neuen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern ist zunächst ein positives Signal für die Berliner Schulen. Sie zeigt, dass weiterhin viele Menschen bereit sind, eine berufliche Perspektive im Bildungswesen der Hauptstadt zu suchen. Für eine wachsende und vielfältige Stadt ist ein verlässlicher Nachwuchs an qualifizierten Lehrkräften eine zentrale Voraussetzung, um Unterricht abzusichern und Schulen weiterzuentwickeln.
Unmittelbar mit vollständig ausgebildeten zusätzlichen Lehrkräften gleichzusetzen ist der Ausbildungsstart allerdings nicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befinden sich noch in der Qualifizierung, auch wenn ein Teil von ihnen bereits berufsbegleitend an Schulen arbeitet. Zudem hängt die langfristige Wirkung davon ab, wie viele den Vorbereitungsdienst erfolgreich abschließen, anschließend im Berliner Schuldienst bleiben und dort eingesetzt werden, wo der Personalbedarf besonders hoch ist.
Für Schülerinnen, Schüler und ihre Familien wird die Entwicklung vor allem dann spürbar, wenn durch den Nachwuchs Unterrichtsausfall reduziert, Fachunterricht verlässlich angeboten und eine kontinuierliche Betreuung ermöglicht werden kann. Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Verteilung auf Bezirke, Schularten und Unterrichtsfächer. Eine hohe Gesamtzahl allein sagt noch nicht aus, ob alle Schulen und Fachrichtungen gleichermaßen profitieren.
Berufsbegleitende Ausbildung als Chance und Belastung
Der hohe Anteil von mehr als 300 berufsbegleitend Qualifizierten verdeutlicht, welche Rolle alternative Zugänge inzwischen für den Berliner Schuldienst spielen. Sie helfen dabei, Menschen mit geeigneten Hochschulabschlüssen und Berufserfahrungen für die Schulen zu gewinnen. Zugleich stellen sie besondere Anforderungen an die Ausbildungsqualität, weil Unterrichtstätigkeit und Qualifizierung parallel stattfinden.
Für die betroffenen Lehrkräfte kann diese Verbindung anspruchsvoll sein. Sie tragen bereits Verantwortung im Klassenzimmer und müssen gleichzeitig pädagogische, didaktische und schulrechtliche Kompetenzen erwerben. Umso wichtiger sind ausreichend Zeit für Ausbildung, erreichbare Fachbegleitungen und eine verlässliche Unterstützung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Auch für die Schulen bedeutet die Begleitung zusätzlichen organisatorischen Aufwand.
Die Zahl von rund 750 Fachbegleitungen macht deutlich, dass Berlin für den Ausbildungsjahrgang eine umfangreiche Struktur bereitstellt. Ob diese im Alltag überall gleichermaßen wirksam wird, hängt jedoch unter anderem von verfügbaren Zeitressourcen, der Größe der Ausbildungsgruppen und den Bedingungen an den jeweiligen Schulen ab.
Festakt setzt Zeichen, entscheidend bleibt der Alltag
Mit dem gemeinsamen Empfang im Estrel Berlin gibt das Land dem Beginn des Vorbereitungsdienstes erstmals einen stadtweiten Rahmen. Die Veranstaltung kann das Zugehörigkeitsgefühl der neuen Lehrkräfte stärken und verdeutlichen, dass ihre Arbeit öffentlich anerkannt wird. Gerade in einem Berufsfeld, das häufig mit hoher Belastung und großen Erwartungen verbunden ist, besitzt eine solche Wertschätzung eine symbolische Bedeutung.
Für die Berlinerinnen und Berliner wird letztlich jedoch entscheidend sein, wie sich die neuen Lehrkräfte in den Schulen entwickeln und ob Berlin sie langfristig halten kann. Gute Ausbildungsbedingungen, funktionierende Kollegien, tragfähige Unterstützungsangebote und verlässliche berufliche Perspektiven sind dafür wesentlicher als ein einmaliger Festakt.
Der gemeinsame Start von mehr als 1.100 angehenden Lehrkräften ist daher ein wichtiger Baustein der Berliner Personalentwicklung, aber keine alleinige Lösung für die Herausforderungen an den Schulen. Seine nachhaltige Bedeutung wird sich daran messen lassen, wie viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Ausbildung erfolgreich beenden und anschließend dauerhaft zu stabilem und qualitativ gutem Unterricht in der Stadt beitragen.
