Sechs Kandidaten, eine Frage: 60 Sekunden für Berlin

Die sechs Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026
Fotos: Paul Schneider / CDU Berlin, Dominik Butzmann / SPD Berlin, Kasimir Heldmann / Bündnis 90 Die Grünen, Bastian Bochinski / Die Linke, AfD Berlin, FDP Berlin

Sechs Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten, eine identische Frage und maximal 1.500 Zeichen für die Antwort: Kurz vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 wollten wir wissen, wofür die politischen Führungsangebote für Berlin tatsächlich stehen.

Für ein besonderes Format im Rahmen unserer KAUPERTS Stadtdebatte haben wir Stefan Evers (CDU), Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Bündnis 90/Die Grünen), Elif Eralp (Die Linke), Dr. Kristin Brinker (AfD) und Christoph Meyer (FDP) vor dieselbe Aufgabe gestellt.

Die Situation ist bewusst einfach gehalten: Im Fahrstuhl bleibt genau eine Minute Zeit, um eine Berlinerin oder einen Berliner zu überzeugen.

Die Frage lautet: Warum sollten die Menschen Ihnen und Ihrer Partei die Verantwortung für diese Stadt anvertrauen – und was wird nach fünf Jahren Ihrer Regierungsverantwortung konkret besser sein?

Alle Eingeladenen erhielten dieselben Vorgaben, dieselbe Frist und denselben Veröffentlichungsrahmen. Die Antworten veröffentlichen wir grundsätzlich im eingereichten Wortlaut. So entsteht ein unmittelbarer Vergleich: sechs politische Angebote für dieselbe Stadt – ohne Zwischenfragen, ohne Debattenformat und ohne Verweis auf Wahlprogramme.

Stefan Evers (CDU)

Stefan Evers (CDU), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: Paul Schneider / CDU Berlin

Stefan Evers (46) ist Bürgermeister sowie Senator für Finanzen und Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seit 2011 gehört er dem Abgeordnetenhaus an; zuvor war er unter anderem Generalsekretär der CDU Berlin und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Stefan Evers ist Jurist. Zur Abgeordnetenhauswahl 2026 tritt er als Spitzenkandidat der CDU Berlin an. Inhaltlich legte er seinen Fokus insbesondere auf Finanz-, Wirtschafts-, Stadtentwicklungs- und Kulturpolitik.

Stefan Evers (CDU) in „60 Sekunden für Berlin“

Wir haben in den vergangenen drei Jahren gezeigt, dass Berlin besser funktionieren kann. Nicht alles ist gut – aber vieles ist besser geworden. Diesen Weg will ich konsequent weitergehen.

Ich werde Ihnen nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Aber auf mein Wort sollen Sie sich verlassen können. Mein Ziel ist, dass Sie nach fünf Jahren den Unterschied jeden Tag merken: wenn Sie sich auf der Straße sicherer fühlen, wenn die Stadt sauberer ist, wenn Ihr Kind auf einer guten Schule echte Chancen bekommt, wenn die Verwaltung einfach funktioniert und wenn wieder mehr bezahlbare Wohnungen entstehen.

Dafür braucht Berlin klare Prioritäten, einen Staat, der Regeln durchsetzt, und eine Politik, die nicht ständig neue Versprechen macht, sondern Probleme löst.

In fünf Jahren sollen die Berliner sagen: Unsere Stadt funktioniert besser. Sie ist sicherer, sauberer und lebenswerter. Und wir können wieder stolz darauf sein, wie sich Berlin entwickelt.

Steffen Krach (SPD)

Steffen Krach (SPD), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: Dominik Butzmann / SPD Berlin

Steffen Krach (47) ist Diplom-Politologe, Landesvorsitzender der SPD Berlin und Spitzenkandidat seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl 2026 sowie das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Zuvor war er sieben Jahre als Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin tätig und danach viereinhalb Jahre als Präsident der Region Hannover für die Infrastruktur von 1,2 Millionen Menschen in 21 Städten und Gemeinden zuständig. Inhaltlich beschäftigt er sich insbesondere mit Verwaltungsmodernisierung, Wirtschaft, Mobilität, Bildung und Gesundheit.

Steffen Krach (SPD) in „60 Sekunden für Berlin“

Guten Tag. Ich bitte Sie: Gehen Sie wählen. Die Rechtsextremen sind wieder auf dem Vormarsch. Sie wollen zerstören, was Berlin ausmacht, was sich unsere Stadt hart erarbeitet hat. Das will ich aufhalten. Viele haben das Gefühl, dass unsere Stadt komplett auseinanderdriftet. Während andere polarisieren, will ich Berlin wieder zusammenführen. Ich weiß, jetzt sagen Sie: die SPD regiert doch seit 37 Jahren. Stimmt, aber nie alleine, und ich sage nicht, dass wir alles richtig gemacht haben. Aber vieles doch. Ich lebe hier schon 22 Jahre, meine Kinder sind Schöneberger. Berlin ist eine großartige Stadt und sie verdient wieder eine mutige Politik im Roten Rathaus. Ich verspreche nicht das Blaue vom Himmel, aber mit elf Jahren Regierungserfahrung weiß ich, worauf es ankommt. Ich will den Menschen wieder Vertrauen in unsere Stadt geben. Ein Berlin, das wieder sauberer und sicherer ist, durch mehr Grün kühler wird, und in dem wir bei jedem Wetter verlässlich durch Tag und Nacht kommen. Ein Berlin, das 1,8 Millionen Mieten systematisch prüft, Wucher hart bestraft und 100.000 neue Wohnungen baut – und das bezahlbar ist, mit einer starken Wirtschaft und guten Löhnen. Ein Berlin, das an der gebührenfreien Kita und Schule festhält und Vorbild für Familienfreundlichkeit ist. Ein Berlin, das uns ein gutes Zuhause ist, egal woher wir kommen, wen wir lieben, oder an was wir glauben. Ein Berlin, auf das wir wieder stolz sein können. Das ist mein Ziel als Regierender Bürgermeister, und ich will für Sie liefern.

Werner Graf (Bündnis 90 / Die Grünen)

Werner Graf (Bündnis 90 / Die Grünen), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: Kasimir Heldmann / Bündnis 90 Die Grünen

Werner Graf (45) ist studierter Politikmanager und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Er ist gemeinsam mit Bettina Jarasch Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Berlin und tritt als Bürgermeisterkandidat seiner Partei zur Abgeordnetenhauswahl 2026 an. Zuvor war er Landesvorsitzender der Berliner Grünen. Inhaltlich beschäftigt er sich insbesondere mit Stadtentwicklung, Wohnen, Verkehrspolitik und der Stärkung und dem Schutz unserer vielfältigen Demokratie.

Werner Graf (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) in „60 Sekunden für Berlin“

Wie viele Menschen in Berlin bin ich als junger Mensch hierhergekommen. Ich habe mich in diese Stadt verliebt, weil Menschen hier selbstbestimmt ihren Weg gehen können und weil sie füreinander einstehen. Berlin ist für mich die coolste Stadt der Welt. Die Stadt der Freiheit. Und dafür, dass das so bleibt und alle Berliner*innen hier ein gutes Leben haben können, will ich meine ganze Kraft einsetzen.

Ich will ein Berlin, das funktioniert, weil Busse und Bahnen zuverlässig fahren, Schulen besser ausgestattet sind und die Verwaltung den Menschen das Leben leichter macht.

Ein Berlin, das klimagerecht ist, weil wir die Stadt an die Folgen der Klimakrise anpassen, mit mehr Bäumen, Schatten und Trinkbrunnen und gleichzeitig die Energiekosten für die Menschen bezahlbar halten.

Ein Berlin, das bezahlbar bleibt, weil Wohnen kein Luxus werden darf. Mehr bezahlbare Wohnungen, die Umwandlung leerstehender Büros in Wohnraum und klare Regeln gegen Verdrängung gehören für mich dazu.

Und ein Berlin, das frei ist, weil sie ihre Demokratie verteidigt, Vielfalt schützt und alle Menschen sicher und selbstbestimmt leben können, unabhängig davon, woher sie kommen, wen sie lieben oder woran sie glauben.

Ich bin überzeugt: Berlin kann mehr. Und ich möchte als Regierender Bürgermeister gemeinsam mit den Berlinerinnen und Berlinern dafür sorgen, dass diese Stadt wieder funktioniert – klimagerecht, bezahlbar und frei.

Elif Eralp (Die Linke)

Elif Eralp (Die Linke), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: Bastian Bochinski / Die Linke

Elif Eralp (45) ist Juristin, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion. Seit 2025 ist sie außerdem stellvertretende Landesvorsitzende der Linken Berlin und Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Abgeordnetenhauswahl 2026. Inhaltlich beschäftigt sie sich unter anderem mit Fragen der Rechtspolitik, Integration, Gleichstellung und Antidiskriminierung.

Elif Eralp (Die Linke) in „60 Sekunden für Berlin“

Schön, dass wir uns hier treffen und dass der Fahrstuhl wieder geht, ist auch nicht mehr selbstverständlich. Mieten und Betriebskosten schießen durch die Decke, doch funktionieren muss noch lange nichts. Dass Kosten steigen, ist aber kein Naturgesetz, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Der Wegner-Senat schaut zu wie große Immobilienkonzerne mit unserem Zuhause spekulieren und mit den Mieten Profite machen, während die CDU auch noch beim kostenlosen Schulessen und Schülerticket kürzen möchte.

Als Linke unterstützen wir seit Jahren Mieterinnen und Mieter, wenn die nächste Mieterhöhung oder überteuerte Heizkostenabrechnung hereinflattert. So holen wir jeden zu viel gezahlten Euro wieder zurück und wenn ich Regierende Bürgermeisterin für Berlin bin, werde ich überall in Berlin konsequent gegen Mietabzocke vorgehen, für mehr bezahlbaren Neubau sorgen und mit einem Mietendeckel bei den Wohnungen, die der Stadt gehören, die Preise senken. Für die Vergesellschaftung der Immobilienkonzerne, für die die Berliner gestimmt haben, werde ich außerdem einstehen.

Wäre es nicht toll, wenn wir wieder Kieze hätten, wo Nachbarn nicht verdrängt werden, wo wir in Kiezkantinen, ob jung oder alt, bei einem günstigen Essen zusammenkommen, wo der Bus uns in den nächsten Kiez sicher und bezahlbar bringt und der auch sauber ist? Das ist keine Utopie, gemeinsam können wir das schaffen, wenn Politik endlich die richtigen Stellschrauben dreht – ich möchte sie drehen für ein bezahlbares Berlin.

Dr. Kristin Brinker (AfD)

Dr. Kristin Brinker (AfD), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: AfD Berlin

Dr. Kristin Brinker (53) ist Dr.-Ing. (Architektur), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Vorsitzende der AfD-Fraktion. Seit 2021 ist sie Landesvorsitzende der AfD Berlin und führt ihre Partei als Spitzenkandidatin in die Abgeordnetenhauswahl 2026. Inhaltlich beschäftigt sie sich insbesondere mit Haushalts- und Finanzpolitik sowie Fragen der Berliner Landespolitik.

Dr. Kristin Brinker (AfD) in „60 Sekunden für Berlin“

Wussten Sie eigentlich, dass in Berlin jeden Tag zehn Mal jemand mit einem Messer angegriffen wird? Oder dass die Hälfte der Berliner Drittklässler nicht die Mindeststandards in Rechnen, Lesen und Schreiben erfüllt? Berlin schneidet bei Bildungsrankings seit Jahren schlecht ab. Ich finde, das sind unhaltbare Zustände. Und ich bin fest entschlossen, sie zu ändern. Ich setze mich dafür ein, dass Bildung an Berliner Schulen nicht länger ein frommer Wunsch bleibt. Jedes Kind hat ein Recht auf eine Aufstiegschance. Dafür müssen wir ihm die notwendigen Lebensgrundlagen vermitteln. Ich werde dafür sorgen, dass sich die Menschen in Berlin wieder sicher fühlen und ohne Angst vor Anschlägen, Überfällen oder sexuellen Übergriffen auf Straßenfeste, in Clubs, zum CSD oder ins Freibad gehen können. Dazu gehört Härte in der Migrationspolitik. Wer kein Bleiberecht hat, muss gehen. Ganz nebenbei werden so auch bezahlbare Wohnungen frei, die Berliner Familien dringend benötigen. Sie brauchen aber auch Kitas und müssen sich im Alltag darauf verlassen können, dass S- und U-Bahnen auch wirklich fahren. Für all das will ich sorgen und dabei nicht das Geld zum Fenster rauswerfen, wie es der Senat seit Jahrzehnten für fragwürdige Ideologieprojekte tut. All das gelingt aber nur, wenn wir Unternehmern und Handwerkern zur Seite stehen, denn ihr Erfolg sichert Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Berlin braucht einen Politikwechsel. Für den stehe ich. Sie haben mein Wort: Ich werde Berlin stark machen!

Christoph Meyer (FDP)

Christoph Meyer (FDP), Spitzenkandidat der Abgeordnetenhauswahl 2026
Foto: FDP Berlin

Christoph Meyer (50) ist Jurist, Rechtsanwalt und Landesvorsitzender der FDP Berlin. Er war von 2002 bis 2011 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, zuletzt als Vorsitzender der FDP-Fraktion, und gehörte von 2017 bis 2025 dem Deutschen Bundestag an, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Zur Abgeordnetenhauswahl 2026 tritt er als Spitzenkandidat seiner Partei an. Inhaltlich setzt er Schwerpunkte bei Wirtschaft, Verwaltung, Wohnen, Bildung und innerer Ordnung.

Christoph Meyer (FDP) in „60 Sekunden für Berlin“

Berlin bleibt seit Jahren unter seinen Möglichkeiten. Das muss sich ändern.

Zuerst: Mehr bauen. Auf mehr Flächen, mit schnelleren Genehmigungen und weniger Vorschriften. Wer in Berlin eine Wohnung sucht, darf nicht weiter an einem künstlich verknappten Markt scheitern. Berlin braucht weder Kampf gegen Vermieter noch immer mehr Regeln, die am Ende vor allem verhindern, dass Wohnungen überhaupt entstehen.

Wir brauchen auch nicht immer mehr Staatswohnungen durch sozialistische Enteignungsexperimente. Statt Volkseigentum will ich ein Volk von Eigentümern! Die eigenen vier Wände dürfen kein Privileg für Wenige sein. Mein Ziel ist, 200.000 Berliner mehr in Eigentum bringen. Denn wer arbeitet, spart und Verantwortung übernimmt, soll die Chance haben, sich in dieser Stadt etwas Eigenes aufzubauen.

Ein funktionierendes Berlin zeigt sich auch jeden Tag vor der Haustür. Straßen, Parks und Plätze müssen sauber sein. Müll, kaputte Infrastruktur und soziale Verwahrlosung sind kein Naturgesetz. Der Staat muss seine Kernaufgaben erledigen: für Ordnung sorgen, Entscheidungen treffen und den Menschen nicht im Weg stehen. Denn Berlin ist am besten, wenn Menschen einfach machen können. Angestellte, Handwerker, Selbstständige, Gründer, Freie Berufe: die FDP steht an eurer Seite und nicht in eurem Weg.

Nach fünf Jahren wird der Unterschied sichtbar sein: mehr Wohnungen, mehr Eigentum, eine saubere Stadt und eine Verwaltung, die funktioniert.

Daran lasse ich mich messen.

Sechs Antworten auf dieselbe Frage – und sechs sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was Berlin jetzt braucht.

Welche davon überzeugt, welche Prioritäten richtig gesetzt sind und welchem politischen Angebot man die Verantwortung für diese Stadt anvertrauen möchte, muss jede Berlinerin und jeder Berliner selbst entscheiden.

Am 20. September 2026 wird gewählt.

Demokratie lebt nicht nur von unterschiedlichen Meinungen und politischen Angeboten. Sie lebt vor allem davon, dass Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Deshalb: Informieren. Abwägen. Und wählen gehen.