Wahl-O-Mat Berlin startet am 24. August
Knapp vier Wochen vor der Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin wird der Wahl-O-Mat freigeschaltet. Vom 24. August 2026 an können Berlinerinnen und Berliner ihre politischen Positionen mit den Antworten der zur Wahl zugelassenen Parteien vergleichen. Das kostenlose Online-Angebot ist unter wahl-o-mat.de erreichbar und soll vor allem dabei helfen, programmatische Unterschiede sichtbar zu machen.
38 Thesen zur Berliner Landespolitik
Der Wahl-O-Mat zur Abgeordnetenhauswahl umfasst 38 Thesen. Nutzer können angeben, ob sie den jeweiligen Aussagen zustimmen, sie ablehnen oder ihnen neutral gegenüberstehen. Einzelne Themen, die für die persönliche Wahlentscheidung besonders wichtig sind, lassen sich zusätzlich gewichten. Anschließend berechnet das Angebot, wie stark die eigenen Antworten mit den Positionen der ausgewählten Parteien übereinstimmen.
Entwickelt wurde die Berliner Ausgabe gemeinsam von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Thesen stammen von einer Redaktion, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Themen der bevorstehenden Wahl befasst hat.
Nach Angaben der beiden Einrichtungen haben alle 17 Parteien, die mit einer Bezirks- oder Landesliste zur Abgeordnetenhauswahl antreten, die Thesen beantwortet. Damit berücksichtigt das Angebot nicht nur die bereits im Abgeordnetenhaus vertretenen Kräfte, sondern auch kleinere Parteien und politische Angebote, die in der öffentlichen Debatte häufig weniger sichtbar sind.
Allerdings treten nicht sämtliche Parteien in jedem Berliner Wahlgebiet unter denselben Voraussetzungen an. Wähler sollten deshalb zusätzlich prüfen, welche Parteien und Kandidierenden tatsächlich auf ihrem Stimmzettel im jeweiligen Bezirk und Wahlkreis stehen.
Starttermin mit Berliner Spitzenpolitikern
Zum Start am 24. August wollen Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker der derzeit im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien den Wahl-O-Mat öffentlich testen. Angekündigt sind Lukas Krieger für die CDU, Steffen Krach für die SPD, Werner Graf für Bündnis 90/Die Grünen, Elif Eralp für Die Linke und Kristin Brinker für die AfD.
Vertreter der Bundeszentrale für politische Bildung, der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und der Wahl-O-Mat-Redaktion sollen außerdem erläutern, wie das Angebot entstanden ist und wie die Thesen ausgewählt wurden. Die Vorstellung findet im Besuchszentrum Ostkreuz der Berliner Landeszentrale für politische Bildung in der Revaler Straße in Friedrichshain statt.
Der Termin ist als Pressetermin angekündigt und nicht als allgemein zugängliche Wahlveranstaltung. Für die Nutzung des Wahl-O-Mat selbst ist keine Teilnahme vor Ort erforderlich. Das Angebot wird am selben Tag online freigeschaltet.
Orientierung in einer vielfältigen Parteienlandschaft
Für Berlin kann der Wahl-O-Mat eine besondere Bedeutung entfalten. Die politische Landschaft der Hauptstadt ist vielfältig, zugleich unterscheiden sich die Herausforderungen teilweise deutlich zwischen Innenstadt, Außenbezirken und Stadtrand. Fragen zu Mieten, Wohnungsbau, Verkehr, innerer Sicherheit, Bildung, Klimaschutz, Verwaltung oder sozialer Infrastruktur betreffen viele Menschen unmittelbar, werden von den Parteien aber unterschiedlich bewertet.
Im Wahlkampf werden solche Unterschiede oft durch Personalfragen, zugespitzte Aussagen und aktuelle Konflikte überlagert. Die 38 Thesen bieten die Möglichkeit, mehrere Themen gebündelt zu betrachten. Auch Parteien, die über weniger finanzielle Mittel, geringere mediale Präsenz oder keine Sitze im Abgeordnetenhaus verfügen, können ihre Positionen im gleichen Format darstellen.
Das ist auch deshalb relevant, weil die Berliner Abgeordnetenhauswahl nicht nur über die Zusammensetzung des Landesparlaments entscheidet. Von den Mehrheitsverhältnissen hängen die Bildung des Senats und damit politische Weichenstellungen für die gesamte Stadt ab. Landespolitische Entscheidungen wirken sich auf Schulen, Polizei, Hochschulen, Bezirksverwaltungen, öffentlichen Nahverkehr, Wohnungsbau und zahlreiche weitere Bereiche des Alltags aus.
Keine Wahlempfehlung und kein vollständiges Parteiprogramm
Der Wahl-O-Mat ist dennoch keine Wahlempfehlung. Ein hoher Übereinstimmungswert bedeutet lediglich, dass die Antworten einer Partei bei den abgefragten Thesen den eigenen Positionen vergleichsweise nahekommen. Er sagt nichts darüber aus, wie wichtig andere, nicht berücksichtigte Themen für eine Partei sind oder wie politische Vorhaben nach der Wahl tatsächlich umgesetzt werden könnten.
Auch Kandidierende, mögliche Koalitionen, die bisherige Regierungs- oder Oppositionsarbeit und die Umsetzbarkeit von Forderungen fließen nicht in das Ergebnis ein. Komplexe politische Fragen werden für das Format außerdem auf kurze Aussagen und begrenzte Antwortmöglichkeiten reduziert.
Sinnvoll ist deshalb vor allem ein Blick auf die Begründungen der Parteien. Sie können zeigen, ob eine Übereinstimmung tatsächlich auf vergleichbaren politischen Vorstellungen beruht oder ob Partei und Nutzer zwar dieselbe Antwort gewählt haben, dabei aber unterschiedliche Ziele verfolgen. Für eine fundierte Entscheidung bleiben darüber hinaus Wahlprogramme, öffentliche Debatten, Kandidatenvorstellungen und unabhängige Berichterstattung wichtig.
Mehr als 160 Millionen Nutzungen seit 2002
Die Bundeszentrale für politische Bildung setzt den Wahl-O-Mat seit 2002 vor Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen ein. Nach ihren Angaben wurde das Angebot seitdem mehr als 160 Millionen Mal genutzt. Es gehört damit zu den bekanntesten digitalen Instrumenten der politischen Bildung in Deutschland.
Für Berlin liegt die Stärke des Formats vor allem in seinem niedrigschwelligen Zugang. Es kann Menschen ansprechen, die sich bisher nur wenig mit der Wahl beschäftigt haben, ebenso wie Wähler, die ihre bereits vorhandenen Einschätzungen überprüfen möchten. Gerade vor einer Landeswahl mit 17 teilnehmenden Parteien kann der strukturierte Vergleich einen ersten Überblick geben.
Ob der Wahl-O-Mat tatsächlich zu einer höheren Wahlbeteiligung beiträgt, lässt sich aus einem persönlichen Ergebnis nicht ableiten. Er kann jedoch Neugier wecken, politische Unterschiede verdeutlichen und dazu anregen, sich intensiver mit den Entscheidungen für Berlin zu beschäftigen. Damit ist der Start am 24. August nicht nur ein Termin im Wahlkampf, sondern auch ein Beitrag zur politischen Orientierung in der Stadt.
