Berlin investiert eine Million Euro in Games
Berlin erhöht die Förderung seiner Gamesbranche und immersiver Medien noch im Jahr 2026 um eine Million Euro. Das zusätzliche Geld geht an die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, die damit weitere Entwicklungsprojekte sowie ausgewählte Veranstaltungen unterstützen soll. Für die Hauptstadt ist die Aufstockung mehr als reine Kulturförderung: Sie ist Teil einer Wirtschaftspolitik, die auf digitale Geschäftsmodelle, kreative Gründungen und international sichtbare Veranstaltungen setzt.
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe übersteigen die beantragten Fördersummen bereits seit Längerem die verfügbaren Mittel des Medienboards. Die zusätzliche Million Euro soll daher vor allem Entwicklerinnen und Entwicklern zugutekommen, deren Vorhaben bislang nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Das Geld stammt aus dem Haushaltstitel zur Stärkung des Games- und E-Sport-Standortes und soll vollständig im Jahr 2026 ausgegeben werden.
Förderung für Entwicklung, Personal und Sachkosten
Unterstützt werden können sowohl Personal- als auch Sachkosten. Dazu zählen je nach Projekt beispielsweise Aufwendungen für Programmierung, Grafik, Animation, Sounddesign, Produktion oder technische Ausstattung. Wie hoch die Förderung für ein einzelnes Games-Projekt ausfallen kann, richtet sich nach der Games-Förderrichtlinie des Medienboards Berlin-Brandenburg.
Eine Million Euro ist für aufwendige Spieleproduktionen keine außergewöhnlich große Summe. Die Entwicklung eines kommerziellen Titels kann selbst bei kleinen Studios erhebliche Kosten verursachen. Für junge Teams und unabhängige Entwicklerstudios kann eine anteilige Förderung jedoch entscheidend sein. Sie ermöglicht es beispielsweise, einen Prototyp zu entwickeln, zusätzliche Fachkräfte zeitweise zu beschäftigen oder ein Projekt bis zu dem Punkt voranzubringen, an dem private Investoren und Vertriebspartner einsteigen.
Gerade in der frühen Entwicklungsphase sind Games-Projekte mit hohen Risiken verbunden. Viele Ausgaben fallen an, bevor sich absehen lässt, ob ein Spiel wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Öffentliche Förderung soll diese Finanzierungslücke teilweise schließen. Sie ersetzt allerdings kein tragfähiges Geschäftsmodell und garantiert weder eine Veröffentlichung noch einen Markterfolg.
Berlin zählt mehr als 350 Games-Unternehmen
Die Wirtschaftsverwaltung beziffert die Berliner Gamesbranche auf mehr als 350 Unternehmen mit rund 3.300 Beschäftigten. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey bezeichnet Berlin wegen dieser hohen Unternehmensdichte als deutsche „Games Capital“. Sichtbar werde die Position der Hauptstadt nach Darstellung der Senatorin unter anderem durch Erfolge Berliner Studios beim Deutschen Computerspielpreis und durch zahlreiche Neugründungen.
Zur Berliner Gameslandschaft gehören große international tätige Unternehmen ebenso wie kleine unabhängige Studios, technische Dienstleister, Plattformanbieter, Veranstalter und spezialisierte Agenturen. Hinzu kommen Hochschulen, Ausbildungsstätten und Netzwerke. Die Branche verbindet klassische Kreativberufe mit Softwareentwicklung, Gestaltung, Musik, Erzählkunst und digitalem Marketing.
Diese Mischung passt grundsätzlich zum Wirtschaftsprofil Berlins. Die Stadt verfügt über eine ausgeprägte Kreativwirtschaft und zieht Fachkräfte aus vielen Ländern an. Gleichzeitig steht sie im Wettbewerb mit anderen europäischen Gamesstandorten, die teilweise umfangreiche Steueranreize oder Produktionsförderungen anbieten. Fördermittel können deshalb auch ein Instrument sein, um Unternehmen am Standort zu halten und Abwanderungen zu verhindern.
Neue Indie-Studios sollen profitieren
Besondere Aufmerksamkeit gilt unabhängigen Entwicklerstudios, den sogenannten Indies. Der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderte Inkubator „Press Start“ hat nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung im Jahr 2026 zu 16 Neugründungen junger Indie-Studios in Berlin geführt. Einige dieser Unternehmen sowie bereits etablierte kleine Studios sollen durch die zusätzlichen Landesmittel eine bessere Chance auf Förderung erhalten.
Indie-Studios arbeiten meist mit kleineren Teams und Budgets als große Produktionsunternehmen. Sie können dadurch flexibler experimentieren und neue Spielmechaniken, Erzählweisen oder visuelle Stile erproben. Zugleich sind sie wirtschaftlich besonders anfällig. Verzögert sich eine Finanzierung oder bleibt eine Veröffentlichung hinter den Erwartungen zurück, fehlen häufig finanzielle Reserven.
Für Berlin liegt in der Unterstützung solcher Teams daher eine Chance, neue Unternehmen und geistiges Eigentum am Standort aufzubauen. Erfolgreiche Spiele können über viele Jahre international vermarktet werden. Die wirtschaftliche Wirkung beschränkt sich dabei nicht auf die unmittelbar beteiligten Studios: Auch Übersetzungsbüros, Tonstudios, Veranstaltungsorte, freiberufliche Kreative und technische Dienstleister können von Aufträgen profitieren.
Immersive Medien reichen über Spiele hinaus
Die Förderung schließt immersive Medien ein. Damit sind digitale Formate gemeint, die Nutzerinnen und Nutzer besonders stark in eine künstlich erzeugte Umgebung einbeziehen. Ein bekanntes Beispiel ist Virtual Reality. Solche Anwendungen werden nicht nur zur Unterhaltung entwickelt. Sie können auch in Museen, Bildungseinrichtungen, der beruflichen Weiterbildung, Architektur, Medizin oder Industrie eingesetzt werden.
Für Berlin eröffnet dieser Bereich Verbindungen zwischen Gamesentwicklung, Wissenschaft, Kultur und etablierter Wirtschaft. Technologien, die ursprünglich für Computerspiele entwickelt wurden, lassen sich beispielsweise für virtuelle Ausstellungen, Simulationen oder interaktive Lernangebote nutzen. Die Förderung kann deshalb Kompetenzen stärken, die über den eigentlichen Spielemarkt hinaus Bedeutung haben.
Games Ground und A MAZE sollen wachsen
Ein Teil der zusätzlichen Mittel ist für die Weiterentwicklung von Veranstaltungen vorgesehen. Genannt werden insbesondere Games Ground und A MAZE. Solche Formate bringen Entwicklerteams, Verlage, Investoren, Fachpublikum und Spieler zusammen. Neben ihrer Bedeutung für die Branche können sie Besucher nach Berlin holen und damit Hotels, Gastronomie und weitere Teile der Veranstaltungswirtschaft unterstützen.
A MAZE hat sich vor allem als Plattform für unabhängige, experimentelle und künstlerisch ausgerichtete Spiele einen Namen gemacht. Games Ground verbindet Fachveranstaltung und Publikumsprogramm. Die Wirtschaftsverwaltung verfolgt darüber hinaus das Ziel, dauerhaft eine größere Games-Leitveranstaltung in Berlin zu etablieren. Im Jahr 2027 soll zudem der Deutsche Computerspielpreis wieder in der Hauptstadt verliehen werden.
Damit konkurriert Berlin jedoch mit starken Messestandorten. Die Gamescom in Köln ist international etabliert und erreicht ein deutlich größeres Publikum. Für die Hauptstadt dürfte es deshalb weniger darum gehen, bestehende Großveranstaltungen unmittelbar zu kopieren. Erfolgversprechender könnte ein eigenständiges Profil sein, das Berlins Indie-Szene, Club- und Digitalkultur, internationale Gründerschaft sowie die Verbindung von Games, Kunst und Technologie nutzt.
House of Games als neuer Branchentreffpunkt
Ein weiterer Baustein der Standortpolitik ist das angekündigte House of Games an der Rotherstraße. Es soll Unternehmen, Verbände und weitere Akteure der Branche räumlich zusammenbringen. Die Wirtschaftsverwaltung verbindet damit die Erwartung, Kooperationen zu erleichtern und die Sichtbarkeit des Standorts zu erhöhen.
Ob daraus ein dauerhaft wirksames Zentrum entsteht, hängt allerdings nicht allein von einem gemeinsamen Gebäude ab. Entscheidend werden bezahlbare Flächen, langfristige Mietbedingungen, ein zugängliches Veranstaltungsprogramm und eine tatsächliche Vernetzung mit Hochschulen, kleinen Studios und internationalen Partnern sein. Gerade junge Unternehmen sind in Berlin durch steigende Gewerbemieten und hohe Personalkosten belastet.
Was die zusätzliche Million für Berlin bedeutet
Für die Berlinerinnen und Berliner kann die Förderung auf mehreren Ebenen relevant werden. Kurzfristig sichert sie Projektarbeit und schafft Aufträge für Kreative und technische Fachkräfte. Mittelfristig kann sie Unternehmensgründungen stabilisieren und zusätzliche Arbeitsplätze entstehen lassen. Öffentliche Veranstaltungen machen Games zudem als Kultur- und Wirtschaftsthema für ein breiteres Publikum sichtbar.
Die Maßnahme kann auch für Nachwuchskräfte interessant sein. Wächst die Zahl stabiler Studios, verbessern sich grundsätzlich die Möglichkeiten für Praktika, Berufseinstiege und spezialisierte Beschäftigung. Voraussetzung ist allerdings, dass neben der Gründungsförderung auch gute Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und langfristige Unternehmensfinanzierungen berücksichtigt werden.
Die Aufstockung setzt somit ein positives Signal, löst aber nicht alle strukturellen Probleme der Branche. Offen ist unter anderem, wie viele Projekte konkret gefördert werden, welcher Anteil an Entwicklungsproduktionen und welcher an Veranstaltungen fließt und ob die höhere Finanzierung über 2026 hinaus fortgesetzt wird. Da die Nachfrage bereits die vorhandenen Mittel übersteigt, dürfte auch die zusätzliche Million Euro nicht für sämtliche förderfähigen Vorhaben reichen.
Für eine belastbare Bewertung wird deshalb entscheidend sein, welche Projekte ausgewählt werden und welche Ergebnisse sie erzielen. Dazu gehören nicht nur wirtschaftliche Erfolge, sondern auch neu geschaffene oder gesicherte Arbeitsplätze, veröffentlichte Produktionen, Folgeinvestitionen und die Zugänglichkeit geförderter Veranstaltungen. Als einmalige Verstärkung kann das Geld wichtige Vorhaben anschieben. Eine nachhaltige Standortpolitik benötigt darüber hinaus verlässliche Förderbedingungen und eine transparente Auswertung der eingesetzten öffentlichen Mittel.
