KI-Boom in Berlin: Wirtschaft im Wandel

Roboterhand vor blauem Hintergrund
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Knapp die Hälfte der Berliner Unternehmen aus Industrie und wissensintensiven Dienstleistungen setzt bereits Künstliche Intelligenz ein – und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Das ist das zentrale Ergebnis der Innovationserhebung Berlin 2025 der Technologiestiftung Berlin. Für die Hauptstadt ist das mehr als eine Momentaufnahme: Es ist ein Hinweis darauf, wie stark sich das wirtschaftliche Profil Berlins in Richtung datengetriebener Technologien verschiebt – mit spürbaren Folgen für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die Rolle Berlins im internationalen Wettbewerb.

Grundlage der Erhebung sind Angaben von rund 1.440 Unternehmen für das Jahr 2024. Erstmals liefert die Studie systematische und detaillierte Daten zur KI-Nutzung in der Berliner Wirtschaft – ein Bereich, der bislang nur punktuell statistisch erfasst wurde.

Breite Nutzung quer durch alle Branchen

Die Ergebnisse zeigen: KI ist in Berlin längst kein Nischenthema mehr. Besonders verbreitet sind Anwendungen im Bereich Sprachverstehen und Textgenerierung. Damit sind Technologien gemeint, die Texte analysieren, automatisch erstellen oder sprachbasierte Interaktionen ermöglichen. Es folgen Bildverarbeitungssysteme, maschinelles Lernen zur Datenanalyse, autonome Systeme und klassische Expertensysteme.

Bemerkenswert ist, dass sich der KI-Einsatz nicht auf einzelne Zukunftsbranchen beschränkt. Zwar überrascht es kaum, dass gerade die starke Berliner Software- und Datenverarbeitungsbranche KI intensiv nutzt – insbesondere dort, wo sie selbst Produkt oder integraler Bestandteil von Dienstleistungen ist. Doch auch in anderen Wirtschaftsbereichen ist die Technologie angekommen. Von Telekommunikation über Finanzwirtschaft bis hin zu industriellen Anwendungen setzen Unternehmen branchenübergreifend auf intelligente Systeme.

In siebzig bis achtzig Prozent der Fälle erfolgte die Einführung von KI erst nach 2021. Das verdeutlicht die enorme Dynamik, mit der sich diese Technologien in der Hauptstadt verbreitet haben. Meist greifen Unternehmen dabei auf Lösungen von Drittanbietern zurück. Gleichzeitig steigt die eigenständige Nutzung durch Beschäftigte, was neue organisatorische Fragen aufwirft: von internen Richtlinien über Datenschutz bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen.

Innovation als Stabilitätsfaktor

Neben der KI-Nutzung beleuchtet die Erhebung auch klassische Innovationskennzahlen. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Berliner Unternehmen stiegen 2024 von 3,6 Milliarden Euro auf 3,7 Milliarden Euro. Die gesamten Innovationsausgaben gingen leicht zurück – von 6,2 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2024. Insgesamt zeigt sich die Berliner Wirtschaft jedoch robust.

Ein entscheidender Standortvorteil liegt im ausgewogenen Branchenmix. Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektroindustrie, Pharmaindustrie sowie Software und Datenverarbeitung tragen in ähnlichem Umfang zur Industrieforschung bei. Anders als in Regionen, die stark von einer einzelnen Branche abhängen, verteilt sich die Innovationskraft in Berlin auf mehrere Säulen. Das erhöht die Resilienz gegenüber konjunkturellen Schwankungen und technologischen Umbrüchen.

Politische Strategie und wirtschaftliche Perspektive

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betont, Berlin wolle Innovationsstandort Nummer eins in Europa werden. Die Erhebung fließe in strategische Vorhaben wie die Deep Tech Berlin Agenda ein und diene als Grundlage für Förder- und Unterstützungsmaßnahmen. Auch Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin, hebt die Bedeutung geeigneter politischer und organisatorischer Rahmenbedingungen hervor, um das KI-geprägte Ökosystem weiter zu stärken.

Für Berlin bedeutet das konkret: Förderprogramme, Clusterstrategien und Vernetzungsinitiativen werden künftig stärker datenbasiert ausgerichtet. Gleichzeitig entsteht ein wachsender Bedarf an Fachkräften, Weiterbildung und Beratungsleistungen – etwa bei rechtlichen Fragen rund um KI-Regulierung oder beim Aufbau eigener Kompetenzen in Unternehmen.

Was die Zahlen für Berlinerinnen und Berliner bedeuten

Die Ergebnisse der Innovationserhebung sind nicht nur für Unternehmen relevant. Sie betreffen auch die Stadtgesellschaft insgesamt. Wenn fast jedes zweite innovationsaktive Unternehmen KI nutzt, verändert das Arbeitsprozesse, Berufsbilder und Qualifikationsanforderungen. Tätigkeiten werden automatisiert, neue Jobprofile entstehen, bestehende entwickeln sich weiter.

Für Beschäftigte heißt das: Digitale Kompetenzen werden in nahezu allen Branchen wichtiger. Für Start-ups und Gründungsinteressierte bietet die Dynamik neue Marktchancen – gerade im Bereich KI-gestützter Dienstleistungen und spezialisierter Softwarelösungen. Für die Stadt wiederum stärken hohe Forschungs- und Entwicklungsausgaben die Steuerkraft und sichern langfristig wirtschaftliches Wachstum.

Zugleich wirft die Entwicklung Fragen auf: Wie wird KI verantwortungsvoll eingesetzt? Wie gelingt es, kleine und mittlere Unternehmen mitzunehmen? Und wie lässt sich technologische Innovationskraft mit sozialer Balance verbinden? Berlin steht hier exemplarisch für viele Metropolen – allerdings mit einem Vorsprung bei der praktischen Anwendung.

Transparenz durch offene Daten

Die Technologiestiftung Berlin veröffentlicht die Innovationserhebung seit 2013 und stellt die aktuellen Ergebnisse als Report sowie als interaktive Online-Visualisierung zur Verfügung. Auch die zugrunde liegenden Datensätze sind öffentlich abrufbar. Damit wird das Innovationsgeschehen nicht nur dokumentiert, sondern transparent nachvollziehbar gemacht – ein wichtiger Baustein für faktenbasierte Wirtschaftspolitik.

Die aktuelle Erhebung macht deutlich: Berlin hat sich in kurzer Zeit zu einem führenden Standort für angewandte Künstliche Intelligenz entwickelt. Ob dieser Vorsprung gehalten oder sogar ausgebaut werden kann, hängt nun davon ab, wie klug Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft gemeinsam handeln. Die Voraussetzungen sind nach den vorliegenden Zahlen jedenfalls vielversprechend.